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| Glockenläuten für Peggy – und für Ulvi |
Lichtenberg und das verschwundene Kind |
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LICHTENBERG - Auch an diesem 7. Mai werden die Glocken in Lichtenberg wieder läuten. Dann, wenn eine ganze Gemeinde des kleinen Mädchens gedenken wird, das an diesem Tag vor acht Jahren aus der oberfränkischen Gemeinde verschwand. Peggy Knobloch ist bis heute nicht vergessen. Im Gegenteil. Bereits im vergangenen Jahr hatte Pfarrer Siegfried Welsch die Glocken seiner Johanneskirche zur Erinnerung an das Kind läuten lassen, das hier jeder kannte. In diesem Jahr soll es nun auch einen Gedenkgottesdienst geben.
Initiiert hat ihn die Bürgerinitiative, die bis heute an die Unschuld von Ulvi Kulac glaubt und zudem auch massive Vorwürfe gegen Peggys Mutter Susanne Knobloch erhebt. Am 30. April 2004 war der damals 24-jährige Gastwirtssohn wegen Mordes an der damals neunjährigen Schülerin zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Mit der Tat habe er einen wenige Tage zurückliegenden sexuellen Missbrauch an Peggy vertuschen wollen, stellte das Landgericht Hof damals fest. Ein Urteil, das Ende Januar 2005 auch vom Bundesgerichtshof bestätigt worden war.
Die Gemeinde bleibt gespalten
Doch bis heute ist Lichtenberg gespalten. «Es gibt ganz klar zwei Meinungen. Die einen würden für Ulvi wirklich ihre Hand ins Feuer legen, die anderen sehen es ganz anders«, weiß Pfarrer Welsch, der seit fünf Jahren Seelsorger in der Gemeinde ist. Er selbst wolle «keine Partei ergreifen«, wie er betont. Dennoch: «Es bleiben viele Fragezeichen«, wie er meint. «Ich bin Gott sei Dank kein weltlicher Richter.« Dass er sein Haus der Initiative geöffnet hat, problematisiert er nicht.
Peggys Leiche wurde trotz wiederholter intensiver Suchaktionen nie gefunden. Ulvi Kulac war in einem Indizienprozess verurteilt worden, hatte bei einer Vernehmung durch die Polizei zunächst gestanden, später aber widerrufen, das Mädchen getötet zu haben. Kulac besitzt einen Intelligenzquotienten von lediglich 67 Prozent und gilt als schwachsinnig. Wegen sexuellen Missbrauchs sitzt er in einer Bezirksklinik, während die Bürgerinitiative für ihn kämpft.
Ungezählte Vorwürfe hat sie seit der Verurteilung gegen die Justiz erhoben, von Manipulation jeglicher Art war die Rede, was die Behörden stets von sich wiesen und von keiner Instanz bestätigt wurde. Auch die Ermittlungen gegen zwei Kriminalbeamte waren eingestellt worden. Auf einer eigenen Internetseite reihen die Ulvi-Sympathisanten vermeintliche Beweise für die Unschuld Ulvis aneinander, hinzu kommen massive Vorwürfe gegen Peggys Mutter.
Unterstützung bekommt die Initiative auch von Radovin Z., der sich selbst als Redakteur bezeichnet, zahlreiche Anti-Gewalt-Internetseiten betreibt und immer wieder als besonders eifriger Spurensucher im Fall der kleinen Peggy aufgetreten war. Er ist auch der Absender der Einladung für den morgen stattfindenden Gottesdienst, die an die Medien wie folgt formuliert wurde. «Von Peggy wurde bis heute keine einzige Spur gefunden. Dennoch wurde Ulvi Kulac als Mörder verurteilt, während die wahren Schuldigen immer noch frei umherlaufen und nach dem Stand der Recherchen davon auszugehen ist, dass Peggy noch lebt. Die zuständigen Behörden blocken den Fall, (...) und verhindern somit ein Wiederaufnahmeverfahren.« Eine Stellungnahme der Bürgerinitiative war gestern telefonisch nicht zu erhalten, da sie auf ihrer Internetseite auf die Angabe einer Kontaktnummer verzichtet.
Von Formulierungen hinsichtlich der «wahren Schuldigen« und blockierenden Behörden, sagt Pfarrer Siegfried Welsch, habe er nichts gewusst. Die Initiative sei auf ihn zugekommen. «Es ist immer schwierig, sich so einem Anliegen zu entziehen.« Dass die Bürgeriniative umstritten sei, wisse er. «Aber bei diesem Gottesdienst geht es ja nicht um Schuld, sondern darum, wie wir mit der ganzen Sache umgehen.« Eine Plattform wolle er der Bürgerinitiative aber nicht geben, betont er. «Der Hausherr bin ich.«
Keine vorschnellen Urteile
Doch «vorschnell urteilen« wolle er nicht. «Schließlich gab es auch schon Fehlurteile, ohne dass ich jetzt den konkreten Fall ansprechen will.« Tatsache sei, dass es ein «schwieriger Fall« sei. Lichtenberg sei damals schnell in Verruf geraten. Es sei ein falsches Bild entstanden.
Susanne Knobloch hatte sofort Ulvi Kulac verdächtigt und der Heimatgemeinde vorgeworfen, nichts gegen die bekannten exhibitionistischen Neigungen des Mannes getan zu haben. Rasch stand die Alleinerziehende selbst am Pranger. Sie ist schon längst aus der Gemeinde weggezogen und versucht nur ein paar Orte weiter, ein Leben jenseits des Medieninteresses und wiederkehrender Beschuldigungen zu führen. Auf dem evangelischen Friedhof in Nordhalben (Kreis Kronach) hat sie einen Grabstein für ihre kleine Tochter errichten lassen.
Unterdessen wurde auch eine Mahnwache nach dem Gottesdienst in Lichtenberg angekündigt.
Irini Paul |
| 6.5.2009 |
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NÜRNBERGER ZEITUNG |
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