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«Rauf mit der Bildung, runter mit den Gebühren!»

Bildungs-Demo: Auf der Straße für eine bessere Schule

 Bildungs-Demo: Auf der Straße für eine bessere Schule
Foto: Sippel
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«Chancengleichheit» schreibt einer der Schüler mit Kreide an die Lorenzkirche, «Schu» ein anderer. Weiter kommt er nicht. USK-Beamte nehmen den Jungen die Kreide ab und ihre Personalien auf. Die rund 3000 Demonstranten quittieren den Einsatz mit Buh-Rufen und Pfiffen, Klopapier-Rollen fliegen durch die Luft. Die Stimmung ist trotz allem bestens: Es ist Schulstreik. Das ist es auch, was der junge Schüler eigentlich an die Kirchenwand schreiben wollte.

Für eine anderes, ein besseres Bildungssystem gehen sie auf die Straße. Schüler, Studenten, aber auch Lehrer, Eltern und Passanten machen mit. Aus Forchheim und aus Neuendettelsau sind Unterstützer angereist. Ein ganzes Potpourri an Forderungen hat die bunte Menge mitgebracht: Weg mit dem achtstufigen Gymnasium und den Studiengebühren, mehr Lehrer, kleinere Klassen, weniger Leistungsdruck. «Kein Geld für Banken und Konzerne! Geld für Bildung und Soziales!» heißt es auf einem Transparent, in Sprechchören fordern die Demonstranten: «Rauf mit der Bildung, runter mit den Gebühren!»

Bei vielen Anwohnern entlang der Demonstrationsroute finden die jungen Menschen Verständnis für ihre Forderungen. «Ich habe ja nichts gehabt als meine Bildung», erzählt eine 84-Jährige in der Neuen Gasse. Da soll auch die junge Generation zum Zuge kommen. Ein paar solidarische Stadträte sind ebenfalls unter den Demonstranten.

An der Insel Schütt vorbei geht es zur Mensa am Andrej-Sacharow-Platz, zum Willstätter-Gymnasium und zum Labenwolf. Die nächste Station des Aufzuges ist das Hans-Sachs-Gymnasium in der Lindenaststraße. Einige Demonstranten stürmen das Gebäude, schwingen eine Fahne auf dem Dach, malen Parolen in ein Klassenzimmer. Mit Pfefferspray wehrt die Polizei weitere Schüler ab.

«Insgesamt verzeichnete die Polizei sieben Festnahmen», berichtet deren Pressesprecher Michael Sporrer. Lorenz Hartung vom «Bündnis Bildungsstreik», der die Demo angemeldet hat, kritisiert das Einsatzkonzept der Polizei. Schwarz uniformierte Sondereinsatzkräfte mit Schusswaffen seien «die falsche Art, Schülern gegenüber zu treten». Er hätte sich lieber Nürnberger Polizisten in ihren grünen Uniformen gewünscht, die seien «viel sympathischer».

Schulbürgermeister Gsell hofft auf Diskussionen statt Verweise

Der Umgang mit den Schülern, die statt in den Unterricht auf die Straße gegangen sind, beschäftigt auch Nürnbergs Schulbürgermeister Klemens Gsell. Er gibt den Direktoren der städtischen Schulen die Empfehlung: «Reagiert nicht mit der Brechstange, sondern versucht, mit den Schülern ins Gespräch über Demokratie zu kommen.» Besser als Verweise wirkten aber beispielsweise Diskussionen über das Bildungssystem. Dass die versäumte Zeit nachgeholt werden muss, sei sowieso klar. Aus dem Kultusministerium heißt es: «Wir haben die Schulen aufgefordert, in Eigenverantwortung den Hinweis auf Einhaltung der Schulpflicht zu beachten.» Soll heißen: Einen Verweis kann es an den staatlichen Schulen geben, muss es aber nicht. Letztlich entscheiden über die Art der Sanktion also die Direktoren. Auch hier wird sich die Qualität des pädagogischen Systems zeigen.

Florian Kaiser
18.6.2009
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