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Buddhisten aus Vietnam sind sehr rührig

Bekommt Nürnberg eine Pagode?

 Bekommt Nürnberg eine Pagode?
Foto: Zawodsky
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Deutsche Buddhisten kennen ihre Religion oft nur aus Büchern. Für solch einen Theorie-Buddhisten ist es ein kleiner Kulturschock, wenn er dem gelebten und gewachsenen Buddhismus der vietnamesischen Volksfrömmigkeit gegenübersteht. Denn diese Gemeinde geht mit ihrem Glauben ganz locker um.

Das zeigte sich beim «Vu Lan»-Fest im Saal der katholischen Sankt-Heinrichs-Kirche in Fürth. Da legt ein Mönch einfach mal die Gebetskette beiseite und fotografiert ungeniert. Da verlassen etliche während der Gebete den Saal, um einen süßen Reiskuchen zu essen, dann kommen sie wieder. Bei einem christlichen Gottesdienst wäre das undenkbar.

«Vu Lan» ist der höchste Feiertag neben Buddhas Geburtstag. Man könnte ihn mit dem Muttertag vergleichen, aber auch mit den Totengedenktagen im November. Es ist der Tag der Liebe zu den Eltern, über das gegenwärtige Leben hinaus. Er wird deshalb auch «Tag der wandernden Seelen» genannt – hier fließen Ahnenverehrung und Buddhismus zusammen. Organisiert wurde das Fest von der «Vietnamesischen buddhistisch-kulturellen Zentrale in Franken». Diese steht unter Umständen in einer gewissen Konkurrenz zur – älteren – buddhistisch-vietnamesischen Gemeinde. Die Vietnamesen in Franken bilden nämlich keine homogene Einheit und sind auch nicht alle Buddhisten. Es gibt drei Gruppen.

Die ersten Einwanderer flohen in den siebziger Jahren vor den Kommunisten, die den Krieg gegen die USA gewonnen hatten – und die bis zum heutigen Tag buddhistische Menschenrechtler verfolgen. In dieser Gruppe gibt es viele «boat people» – und viele Christen.

Die zweite Gruppe besteht aus – ehemals! – Kommunismuskonformen, die im «sozialistischen Bruderland» DDR lebten und dort nach der Wende als «Fidschis» ausgegrenzt wurden. Die dritte Gruppe schließlich verließ ihr Land erst nach 1989, um mit Billigung der Regierung und im Zug der Globalisierung in Deutschland ihr Glück zu suchen.

Die erst im letzten Jahr gegründete «Zentrale in Franken» rekrutiert sich hauptsächlich aus der zweiten und der dritten Gruppe, hat sich aber das Ziel gesetzt, alle fränkischen Vietnamesen unter ein Dach zu bringen. Das ist wortwörtlich gemeint, und das Dach soll geschwungen sein. Sie wollen eine Pagode bauen.

«Das wird freilich kein Bau aus Holz und Bambus, und auch kein Turm», sagt der beauftragte Architekt Erwin Perl aus Winkelhaid. «Gebaut wird ein ganz gewöhnliches deutsches dreigeschossiges Haus, das dann aber ein Pagodendach und vietnamesische Verzierungen bekommt.» Leider hat die Stadt Nürnberg bereits zwei Bauanfragen der Vietnamesen abgelehnt. Sowohl ein Standort in Thon wie einer in der Gartenstadt erschienen nicht geeignet.

Die Pagode soll kein Tempel, keine Entsprechung zur Kirche werden. Das sind die Pagoden auch in Vietnam nicht. Sie wird ein Gemeindezentrum, in dem nicht zuletzt ein vegetarisches Restaurant eröffnet werden soll – wer je das Glück hatte, buddhistische Fastenspeisen zu kosten, der weiß, dass dieses Restaurant eines Tages zu den kulinarischen Glanzlichtern Nürnbergs gezählt werden könnte.

Wille zur Integration

Die Pagode soll als solche kenntlich sein, aber sie darf, da sind sich der Verein und sein Architekt einig, nicht allzu exotisch wirken, nicht auffallen. Nicht aufzufallen, sich zu integrieren – der Wille dazu ist bei den Vietnamesen mehr als ausgeprägt.

Dem Besucher eines Festes fällt auf, dass die Kinder, die sich eine Pause von den Gebeten gönnen, untereinander deutsch sprechen. Unwillkürlich muss man daran denken, dass manche türkische Familien nicht einmal in der dritten Generation die deutsche Sprache lernen wollen. Mag sein, dass der Wille zur Anpassung zu groß ist – um so wichtiger wäre die Pagode, damit die kulturelle Identität nicht völlig verloren geht. Für Nürnberg wäre sie eine spirituelle Bereicherung.

Magnus Zawodsky
6.10.2009
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