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Atommüll-Geschäfte: Areva lässt Sibirien strahlen

 Atommüll-Geschäfte: Areva lässt Sibirien strahlen
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PARIS - Sewersk hieß früher «Tomsk 7» und ist ein Städtchen von 30.000 Einwohnern mitten in Sibirien – nach außen mit Stacheldraht hermetisch abgeriegelt. Diskret weisen Menschen dort auf massive Gebäude, Schornsteine und graues Werksgelände hin. «Eine Atomfabrik» arbeite am Fluss, berichten sie. Unbefugte dürfen sich der Anlage nicht nähern. Der Komplex ist eine nukleare Wiederaufbereitungsfabrik. Kameraaugen haben ein Riesenlager unter freiem Himmel voll von Fässern mit radioaktivem Müll gefilmt. «Hier besteht keine Verseuchungsgefahr», behauptet der Werksleiter, «allenfalls, wenn ein Flugzeug abstürzen würde!»

Die Überraschung: Hunderte Tonnen des Atomabfalls stammen aus Frankreich. Die 8000 Kilometer entfernte Grande Nation entsorgt hier einen Teil ihres nuklearen Schrotts. Das hat der Arte-Dokufilm «Albtraum Atommüll» nachgewiesen.

Bisher waren Einzelheiten des franko-russischen Deals nicht bekannt. Seit Mitte der 90er Jahre werden aus dem Zwischenlager der südfranzösischen Nuklearanlage Pierrelatte jährlich etwa 110 Tonnen Uranmaterial nach Sibirien verfrachtet. Von dort kehren 10 Prozent als wiederaufbereiteter Stoff nach Frankreich zurück, wo das angereicherte Uran zur Stromproduktion verwendet wird. Den Rest von 90 Prozent behalten die Russen. Das Liefervolumen macht 13 Prozent des Gesamtabfalls von jährlich 1150 Tonnen aus.

So entledigt sich die französische Atomindustrie eines Teils ihres Abfalls: Ungesichert, strahlend, eine Gefahr für die Umwelt, so lagert er in Sewersk.

Unverständlich: Die offizielle Behörde für Atomsicherheit (ASN) hat den Transfer nicht genehmigt, sagt sie. Die Staatsagentur für die Verwaltung radioaktiver Abfälle (Andra) ergänzt, sie sei nur für Frankreich zuständig. Ex-Umweltministerin Corinne Lepage, die von 1995 bis 1997 im Amt war, beteuert: «Ich habe nichts gewusst!» Der mächtige Atomstromversorger EDF fügt hinzu: «Nach Russland geht kein hochradioaktiver Müll, das ist schwachstarkes Uran!»

Club-Sponsor Areva ist für die Transporte zuständig

Und die Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy, der auf Weltreisen Kernkraftwerke verkauft und der Nuklear-Energie eine große Zukunft verspricht? Sein Umweltminister Jean-Louis Borloo windet sich: «Das ist eine Entscheidung der Industrie!»

Der Handel mit Russland soll in zwei Jahren eingestellt werden, wenn Frankreich «die Technik beherrscht, die abgebrannten Stäbe chemisch zur Wiederverwendung anzureichern». Bis dahin ist der Nuklearkonzern Areva, der die 54 Blöcke in Frankreich verwaltet, für den Transport zuständig. Wie gesichert er auf dem 8000 Kilometer langen Schiffs-, Bahn- und LKW-Weg ist, weiß niemand. Pikant für Nürnberg: Areva ist mit seiner Trikotwerbung derzeit offizieller Hauptsponsor des 1. FCN. Ob das Unternehmen auch hier für eine strahlende Zukunft sorgt?

Was sagen Sie dazu, dass der Club von einem Atomkonzern unterstützt wird? Diskutieren Sie mit uns in unserem Club-Freunde-Blog

Lutz Hermann
15.10.2009
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