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Kommentar: Alois Glück leitet das Zentralkomitee

Kantig und katholisch

 Kantig und katholisch
Der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier, sein Vorvorgänger im neuen Amt, hat ihn einmal einen «wandelnden Vermittlungsausschuss» genannt. Seit gestern ist Alois Glück Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Das war in seiner Lebensplanung nicht vorgesehen. Hätte der 69-Jährige gewollt, wäre er Landtagspräsident in Bayern geblieben. Doch er hat sich aus der ersten Reihe der Politik verabschiedet, um sich der Familie zu widmen, seinen Ehrenämtern nachzugehen, zu privatisieren. Jetzt steht der frühere Sekretär der katholischen Landjugend wieder hinterm Pflug. Das Feld, das er zu bestellen hat, ist mitunter auch mal steinig, mal morastig. Immerhin kennt er den Boden, auf dem er künftig arbeitet, wie kaum ein anderer.

Die katholische Kirche befindet sich in einer Umbruchphase, man könnte es auch Zerreißprobe nennen. Offensichtlich gibt es eine starke Bewegung im Vatikan, welche die Neuerungen, die mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingeführt wurden, zum Teil korrigieren will. Das lässt sich an den Bemühungen Roms erkennen, die Traditionalisten zurückzugewinnen. Und das wäre vielleicht auch gelungen, wenn ein Teil der Pius-Bruderschaft nicht daran festhielte, die eigentliche und einzig wahre katholische Kirche zu sein.

Alois Glück ist ein Kind des Zweiten Vatikanums; das wollte, dass sich die katholische Kirche der Welt öffnet. Aus einem Hierarchiemodell, wie es im Ersten Vatikanischen Konzil von 1870 festgelegt worden war, sollte ein Communiomodell werden. Das heißt; nicht nur die geweihten Amtsträger sind die eigentlich Handelnden in der Kirche, sondern auch die Laien.

Danach lebt Alois Glück, er engagierte sich in der Laienbewegung «Donum Vitae», die an der Schwangeren-Beratung mit Beratungsschein festhält, um möglichst viele abtreibungswillige Frauen im Sinne des Lebensschutzes umstimmen zu können. Auch der deutsche Episkopat hatte dies zunächst mitgetragen, bis er von Rom zurückgepfiffen wurde. Seitdem wird Donum Vitae mit Argwohn betrachtet. Alois Glück stritt vor neun Jahren sogar heftig mit dem damaligen Kurienkardinal Joseph Ratzinger, der CSU-Politikern die Bevorzugung einer Laienkirche vorgeworfen hatte.

Seine Leitungsfunktion bei Donum Vitae hat Alois Glück abgelegt, ein förderndes Mitglied will er bleiben. Er kann eben Kompromisse schließen. Ein Kompromiss-Kandidat war Glück deshalb noch lange nicht. Der «wandelnde Vermittlungsausschuss» kann auch ganz schön kantig sein. RAIMUND KIRCH
21.11.2009
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