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02.05.2005
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Neonazi-Aufmarsch verlief ohne größere Zwischenfälle

Tausende protestierten gegen die NPD

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Rund 4000 Nürnberger demonstrierten gestern auf dem Kornmarkt gegen den NPD-Aufmarsch. Entlang der Route waren es fast genauso viele, die den Rechtsradikalen „Nazis raus!“ entgegen riefen. Die Polizei hatte ebenfalls mehrere Hundertschaften im Einsatz, um den reibungslosen Ablauf des NPD-Aufmarsches sicherzustellen.

Der Anlass für dieses Aufgebot an Polizisten und Demokraten konnte da zahlenmäßig kaum mithalten. Obwohl die NPD in Nürnberg ihre zentrale Veranstaltung zum 1. Mai durchführte, waren gerade einmal 400 Teilnehmer gekommen. Auch der Versuch, sich äußerlich als seriöse Partei zu präsentieren, ging schief: Außer dem in Anzug und Krawatte vorweg marschierenden Nürnberger NPD-Funktionär Ralph Ollert kamen fast nur betont martialisch dreinblickende, teils kahl geschorene Jungnazis, die dann auch noch meinten, mit einem Transparent wie „Division Julius St.“ Nürnberg-Bezug herstellen zu müssen.

Zunächst durften die aus dem gesamten Bundesgebiet angereisten Neonazis aber erst einmal Nürnbergs Untergrund kennen lernen. Zwischen den Stationen Frankenstraße und Bauernfeindstraße war plötzlich dicker Rauch entdeckt worden. Zunächst vermutete die Polizei eine von Gegendemonstranten gezündete Rauchbombe. Inzwischen wird allerdings von einem technischen Defekt ausgegangen. Erst mit rund einstündiger Verspätung durften die Rechten ans Tageslicht. Das „Bündnis gegen Rechts“, das am Maffeiplatz, wo die NPDler ursprünglich ankommen sollten, seine Mahnwache abhielt, stand allerdings noch länger unverrichteter Dinge herum: Die Polizei ließ die Neonazis nämlich am Aufseßplatz aussteigen.

„Wir ham den Krieg verlorn, wir ham den Krieg verlorn“, schallte es den Rechtsradikalen dann am Südpark entgegen, wo bereits seit zwei Stunden die „Autonomen“ ihre Kundgebung abgehalten hatten. Die Rechten hielten mit „Nieder mit der roten Pest“ oder „Deutsch, sozial und national“ dagegen. Zwischen Celtistunnel und Bahnhof hatten sich etliche Demonstranten auf die Straße gesetzt, um den Aufmarsch aufzuhalten. Dieser wurde von der Polizei dann aber durch das Bahnhofsgebäude „umgeleitet“. Insgesamt wurden 15 Gegendemonstranten festgenommen.

Abseits dieses Geschehens, am Kornmarkt, hatten sich inzwischen rund 4000 Demokraten eingefunden, um unter dem Motto „Nürnberg — bunt statt braun“ ein Zeichen gegen Rechtsextremisten zu setzen. Die ehemalige Stadt der Reichsparteitage, so rief der bayerische Innenminister Günther Beckstein den Kundgebungsteilnehmern zu, habe einen „großartigen Wandel“ vollzogen. „Heute steht Nürnberg für Toleranz und Menschenrechte, für Frieden und Versöhnung.“

Noch einmal bedauerte es Beckstein, dass sein Vorstoß, die NPD zu verbieten, „an einer Minderheit von Verfassungsrichtern“ gescheitert ist. Es gebe dennoch „nicht den leisesten Zweifel, dass die NPD eine verfassungsfeindliche Partei ist“.

„Das sind für mich Barbaren“, machte der ehemalige katholische Stadtdekan Theo Kellerer klar. „Es gibt weder Herrenmenschen, noch ein Herrenvolk“, daher müsse Nürnberg allen Menschen, die hier Schutz und Heimat suchen, die Möglichkeit zu einem Leben in Recht und Würde geben, „auch wenn sie aus Äthiopien kommen“.

Oberbürgermeister Ulrich Maly riet zum Abschluss der Kundgebung dazu, „noch einen kleinen Sonntagsspaziergang zum venezianischen Markt an die Lorenzkirche zu machen“. Dieser Aufforderung wurde dann zwar zahlreich nachgekommen. Auf Grund der weiträumigen Polizei-Absperrungen bekamen diese Gegendemonstranten von der NPD-Abschlusskundgebung auf dem Lorenzer Platz aber kaum etwas mit. Peter Viebig
2.5.2005
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