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12.06.2006
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1200 Menschen demonstrierten in Nürnberg gegen Ahmadinedschad

Fahnen, Fairness und jede Menge Solidarität

 Fahnen, Fairness und jede Menge Solidarität
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Von Sharon Chaffin, NZ

NÜRNBERG — Karina Milimovka will Fairness und Sportgeist. «Ich finde, dass der Bessere siegen soll“, sagt die 14-Jährige, die eine israelische Fahne fest mit ihrer Hand umschlungen hält. Auch wenn die junge Jüdin, die vor acht Jahren aus der Ukraine nach Deutschland gekommen ist, an der Kundgebung gegen die israelfeindliche Politik des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad in Nürnberg teilnimmt, möchte sie die iranische Mannschaft von der WM doch nicht ausgeschlossen sehen. «Fußball spielen sollte jeder dürfen“, meint die Nürnberger Gymnasiastin.

Viele der 1200 Demonstranten, die sich am Jakobsplatz mit jüdischen Rhythmen auf die Veranstaltung einstimmen, sehen das ähnlich. Sie unterscheiden genau zwischen Sport und iranischem Volk einerseits und der Regierung in Teheran andererseits. «Sport und Politik muss man auseinander halten“, sagt etwa David Sismann. Der 66-Jährige stammt ebenfalls aus der ehemaligen Sowjetunion und lebt seit sechs Jahren in Deutschland. Er habe nichts gegen das iranische Fußball-Team, sondern nur gegen die Regierung in Teheran, erklärt er. Denn die Politik Ahmadinedschads sei nicht nur für Israel schlecht, sondern für die ganze zivilisierte Welt. «Deshalb“, sagt Sismann, «wäre ich auch gekommen, wenn ich nicht jüdisch wäre.“

Wie Beate Scharnewski. Die Protestantin, die in einem Meer aus weiß-blauen israelischen Flaggen steht, möchte sich mit Israel solidarisieren und ihre Freundschaft bekunden. Wäre es nach ihrem Willen gegangen, dann hätte es gestern kein iranisches Spiel gegeben. «Es ärgert mich, dass man nicht den Mut bewiesen hat, die Mannschaft wieder auszuladen“, sagt sie empört, «immerhin ist Ahmadinedschad doch so israelfeindlich.“

Mit dieser Forderung bleibt die Erlangerin an diesem sonnigen Nachmittag weitgehend allein. Denn die Redner waren sich - trotz kleinerer inhaltlicher Unterschiede - in einem einig: Die Protestkundgebung, zu der zahlreiche jüdische Organisationen aufgerufen hatten, richtete sich gegen die iranische Regierung - nicht gegen die iranische Bevölkerung und ebenso wenig gegen die Fußballspieler.

Damit auch gar nicht erst der Verdacht einer Generalverurteilung aufkommen konnte, bauten die Kundgebungsredner vor. «Wir sind für Sport“, sagte beispielsweise der bayerische Innenminister Günther Beckstein, «und wir sind Freunde des Iran.“ Er freue sich, wenn Iraner in Deutschland sind. Aber er stellte auch unmissverständlich klar: «Verbrecher wie Ahmadinedschad sind bei uns nicht willkommen.“ Mit seinem Leugnen des Holocausts und des Existenzrechts Israels stelle sich der iranische Präsident außerhalb der zivilisierten Welt. Deshalb forderte Beckstein — der sich schmunzelnd als nicht sehr geübten Demonstranten vorstellte — ein entschlosseneres Vorgehen gegen Antisemitismus. «Es ist wichtig, dass wir unsere Solidarität mit den jüdischen Gemeinden und mit Israel bezeugen - gerade in Deutschland und gerade in Nürnberg.“

Mit gewohnt scharfer Zunge präsentierte sich der ehemalige Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und jetzige Vorsitzende der Vereinigten Israel Aktion, Michel Friedman. «Wehret den Anfängen - wir dürfen mit dem Hitler des 21. Jahrhunderts nicht auf Schmusekurs gehen“, rief er mit geballten Fäusten ins Mikrofon. Ähnlich wie für den weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko müsste auch für Ahmadinedschad ein Einreiseverbot verhängt werden. «Wir sollten uns nicht hinter Diplomatie verstecken, weil sich auch Ahmadinedschad nicht hinter Diplomatie versteckt.“

Friedmans Rede hat den Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, Arno Hamburger, sichtlich beeindruckt. «Ich bin dir dankbar“, sagte er, «für diese Worte.“ Er hätte sich als Gastgeber dieser Veranstaltung zurückhalten müssen. «Aber was du gesagt hast, Michel, hätte eigentlich ich sagen mögen.“
12.6.2006
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