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Al-Gore-Schülerin referierte über Klimawandel

«Wir stecken schon mittendrin»

 «Wir stecken schon mittendrin»
Foto: Gerullis
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«Wir müssen realisieren, dass der Klimawandel keine Sache der Zukunft ist. Wir befinden uns schon mittendrin», sagt Maiken Winter im Musiksaal des Martin-Behaim-Gymnasiums und nimmt die versammelten Schülerinnen und Schüler in die Pflicht: Jeder sei aufgefordert, sich in seinem privaten Umfeld dafür einzusetzen, dass die diesem Planeten drohenden Schreckensszenarien doch noch abgewendet werden können.

Maiken Winter ist promovierte Biologin, seit 13 Jahren lebt die in München geborene Wissenschaftlerin in den USA, wo sie freiberuflich an der Cornell-University tätig ist.

Im April nahm die 39-jährige Winter in Nashville an einem jener Trainingskurse teil, die der für sein Engagement in Umweltfragen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete frühere US-Vizepräsident Al Gore seit September 2006 veranstaltet.

In den Kursen stattet Gore, der mit seinem Film «Eine unbequeme Wahrheit» über die drohende Klimakatastrophe für Furore sorgte, umweltinteressierte Menschen mit dem nötigen fachlichen und methodischen Wissen aus; die Teilnehmer sollen danach als Multiplikatoren die Inhalte an möglichst viele Menschen weitergeben. Schon 1700 Personen hätten dieses Training seit Herbst vergangenen Jahres mitgemacht: «Der Jüngste ist 13, der Älteste über 80», erzählt Winter, die den Kurs «unglaublich» fand: «Gore ist fast die ganze Zeit präsent. Seine Energie und seine Überzeugungskraft sind beeindruckend.»

Seit dem Frühjahr ist die Wissenschaftlerin mit ihrem an Gores Film angelehnten, aber durch eigene Schwerpunktsetzungen auch variierten Vortrag an 38 Schulen und Einrichtungen gewesen. In dieser Woche besucht sie auf Vermittlung des SPD-Bundestagsabgeordneten Martin Burkert verschiedene Nürnberger Schulen, heute etwa ist sie an der Bertolt-Brecht-Schule zu Gast.

Winter spricht über die schmelzenden Pole, über das Verschwinden der Gletscher, die Aufheizung der Ozeane, die Anhebung des Meeresspiegels, das Aussterben der Arten und die Verantwortung der Industrienationen: «Wir können uns vor Überflutungen schützen. Aber ärmere Länder wie Bangladesch haben nicht die finanziellen Mittel, um Dämme zu bauen.»

Das alles, ärgert sich Winter, sei lange bekannt - aber die Folgen, die die klimatischen Veränderungen für das Zusammenleben auf diesem Planeten haben könnten, seien dennoch vielen Bürgern nicht ausreichend bewusst. Es könne nicht mehr bezweifelt werden, sagt Winter, dass es einen Klimawandel gebe und dieser durch menschliches Handeln forciert werde; Skeptiker der Klimawandeltheorie wie der emeritierte amerikanische Professor Fred Singer seien nicht ernst zu nehmen: «Wir haben einen großen Einfluss auf das Überleben der Arten - uns eingeschlossen.»

«Wir müssen in allen Bereichen etwas tun», pflichtet Martin Burkert bei und erinnert an die Verwüstungen, die eine Windhose Ende August 2006 in Falkenheim und der Gartenstadt angerichtet hatte. Bei solchen Anlässen werde die Bedrohung durch den Klimawandel spürbar. Der Etat für die Klimapolitik sei für 2008 von 700 Millionen Euro auf 2,6 Milliarden aufgestockt worden. Burkert hofft auch nach wie vor auf das Tempolimit; als er die Schüler fragt, wer für die Einführung einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf deutschen Autobahnen sei, hebt indes nur eine Minderheit die Hände. Burkert findet es dennoch bedenklich, dass amerikanische Reiseveranstalter ihre Kunden nach Deutschland schicken, «weil man hier so schnell fahren kann, wie man will».

Als die Schüler Fragen stellen dürfen, muss Maiken Winter über ihre Verkehrsmittel Rechenschaft ablegen - zum Behaim-Gymnasium sei sie geradelt, aber zwischen Deutschland und den USA müsse sie schon sehr viel hin- und herfliegen, gesteht die 39-Jährige. Damit soll es bald ein Ende haben: «Ich suche eine Stelle in Deutschland.» Marco Puschner
27.11.2007
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