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05.01.2008
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Nach dem Feuer in der Szene-Disco «Indaba» fühlen sich jetzt Experten durch den Brandschutt

Das Aufräumen wird wohl Monate dauern

 Das Aufräumen wird wohl Monate dauern
NÜRNBERG - Drei Tage nach dem verheerenden Brand am Kornmarkt steht fest: Die Räume der Szene-Disco «Indaba» bleiben mindestens ein halbes Jahr lang Baustelle. Auch das beliebte Japan-Lokal «Sushi-Glas» im Erdgeschoss des Gewerkschaftshaus- Komplexes muss wohl für Monate schließen. Seit gestern Mittag wühlen sich nun die Brandeexperten von LKA und Kripo durch Berge von Brandschutt.

Irgendwo hinter der Bar könnte das Feuer seinen Anfang genommen haben. Der metallen schimmernde Tresen ragt scheinbar unversehrt hinter zwei grauen Hügeln aus Asche und verkohlten Holzbrocken hervor. Doch an der Rückwand haben die Flammen ganze Arbeit geleistet. Von der einstmals sandbraunen Wandverkleidung sind nurmehr Fetzen zu sehen. Dahinter dominiert der rohe Beton den vielleicht sechs Meter hohen Saal, der einmal das Herzstück der Szene-Disco gewesen ist.

Rechts von der Bar, direkt an der vom Ruß gezeichneten Betonwand, graben drei Männer im Schutt. LKA-Experte Ralf Metzger und seine beiden Kollegen vom K12 der Nürnberger Kripo tragen weiße Overalls, Gesichtsmasken und grüne Gummihandschuhe. Denn die Chloride und all die anderen Giftstoffe, die das verheerende Feuer freigesetzt hat, sitzen jetzt überall - auch in dem feinen Staub, der im fahlen Licht der beiden Halogen-Scheinwerfer tanzt, die die Berufsfeuerwehr für die Brandexperten aufgestellt hat.

Feuer hätte noch schlimmer sein können

Dass die Flammen nur zwei Seiten des etwa 300 Quadratmeter großen Raums in Schutt und Asche gelegt haben, ist offenbar auch den Betreibern des «Indaba» zu verdanken: «Die haben viel für den Brandschutz getan», meint Gebäudeverwalter Stefan Hofstetter und weist mit seinem Handscheinwerfer zu einem halb umgekippten Baum in der Mitte der Tanzfläche, dessen Krone von einer viereckigen Beleuchtungsbrücke gebildet wird. Ein helles, feuerfestes Tuch ist wie ein Schmuckstück um den Stamm drapiert - und hat vermutlich verhindert, dass der Baum in Flammen aufging. Die Sessel aus Holzrahmen und braunem Stoff-Zebramuster, die schwarzen Leder-Hocker und vor allem das DJ-Abteil, eine dunkelbraune ehemalige Kirchenkanzel, wurden offenbar mit speziellen Sprühmitteln besonders schwer entflammbar gemacht.

Das Aufräumen kann Monate dauern. Der erste Stock des Gewerkschaftshaus-Anbaus, in dem das «Indaba» untergebracht war, wird entkernt werden müssen. Chemiker und Baustatiker müssen beurteilen, ob Außenwände, die Dachkonstruktion oder andere tragende Teile durch Hitze bzw. Kontamination gelitten haben. Genaueres weiß man erst, wenn der große Saal des «Indaba» komplett geräumt ist, meint Gebäudeverwalter Hofstetter.

Versicherungen sind sehr gespannt

Vorerst haben die Brandermittler das Sagen. Hand für Hand, Schaufel für Schaufel wühlen sie sich durch den Schutt auf der Suche nach Hinweisen zur Ursache. Ob ein elektrischer Kurzschluss oder eine vergessen Kerze den Brand am zweiten Tag des neuen Jahres in Gang setzte, ob Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz eine Rolle gespielt haben könnte, das interessiert neben dem Staatsanwalt vor allem auch die Versicherungen: Über den unmittelbaren Brandschaden hinaus - nach ersten Schätzungen mindestens eine Millionen Euro - wird es bei den Zahlungen auch um Umsatzausfälle von «Indaba» und «Sushi Glas» gehen.

Einen Stock tiefer, im Restaurant, haben die Vorbereitungen für das große Aufräumen bereits begonnen. Über metallene Leitungskanäle hatte das Feuer den Sprung in die Nebenräume des «Sushi Glas» geschafft. Den größten Schaden aber hat wohl das Löschwasser verursacht, das durch die Betondecke hereingeflutet und dann durch den Fußboden in die Tiefgarage abgeflossen ist. Im Speiseraum hat sich die weiße Zwischendecke aus Gipskarton mit Wasser vollgesogen und biegt sich an mehreren Stellen durch.

Mitarbeiter einer Sanierungsfirma haben gestern Nachmittag Metallstützen eingezogen. Denn schon heute kommen Sachverständige zur Schadensbegutachtung ins «Sushi Glas», das der Gastronom Martin Hattenbach betreibt. Und auch die Esstische und Stühle, Porzellan, Besteck, Gläser und viele andere unversehrte Gegenstände sollen heute noch ausgeräumt werden - bevor sie durch herabstürzende Deckenteile in Mitleidenschaft gezogen werden.

Das kontaminierte Löschwasser hat die Brandgifte überallhin getragen. Erste Probebohrungen unter den hellen Holzdielen zeigen, dass der gesamte Deckenaufbau zur Tiefgarage durchnässt ist. Auch hier steht also eine Generalsanierung an.

Tilmann Grewe
5.1.2008
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