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| Die Zukunft der Rummelsberger Anstalten |
Bierleins Nachfolge noch im Mai perfekt |
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RUMMELSBERG -Vor genau fünf Monaten trat der Vorstandsvorsitzende der Rummelsberger Anstalten der Inneren Mission in Schwarzenbruck, Karl Heinz Bierlein, von allen seinen Ämtern zurück. Offizieller Grund: Im Umgang mit Diakonenschülern sei es zu «Grenzüberschreitungen« gekommen. Was hat sich seitdem getan? Die NZ fragte nach.
Die Tage Mitte Dezember 2007 werden Michael Herrmann, der Brüdersenior der Rummelsberger Anstalten, und Andrea Heußner, die Vertrauensfrau der Diakoninnengemeinschaft, wohl nie vergessen. Sie mussten öffentlich Stellung beziehen zu den schlimmen Vorwürfen, die gegen Karl Heinz Bierlein laut geworden waren. Und konnten, durften doch so wenig sagen.
Bei einem Buchprojekt Bierleins, an dem etwa 20 Diakonenschüler teilnahmen, sei es zu «Grenzüberschreitungen« gekommen - was immer das bedeuten sollte. Mehrere Beteiligte hätten Bierlein dabei als «sexuell bedrängend« empfunden. Bierlein wurde bei der Polizei angezeigt, die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein, die evangelische Landeskirche ein Disziplinarverfahren. Bierlein trat von allen seinen Ämtern zurück und verließ das Rummelsberger Diakoniedorf. Die Bestürzung war groß bei dem «Sozialkonzern« mit seinen über 6000 Beschäftigten, bei der Landeskirche, in Schwarzenbruck selbst, bei allen, die Bierlein kannten.
«Die Betroffenheit ist noch immer nicht restlos weg«, sagt Brüdersenior Herrmann im NZ-Gespräch. Doch es sei nun nicht mehr so, dass der «Fall Bierlein« in Rummelsberg «den Alltag beherrscht«, meint Diakonin Andrea Heußner. Man habe von Anfang an versucht, so transparent wie nur möglich zu sein. Die Öffentlichkeit wurde informiert, die Mitarbeiter, die vielen Freunde und Förderer - freilich immer nur im Rahmen des rechtlich Möglichen. Herrmann und Heußner sind beide auch Mitglieder des Vorstandes der Rummelsberger Anstalten. Es sei gelungen, das Unternehmen mit seinen 170 Einrichtungen und den Tochtergesellschaften, seien es die Dienste für Menschen im Alter, mit Behinderung oder junge Menschen, «voll handlungsfähig« zu halten. Die noch junge Strukturreform mit der Verselbstständigung der Unternehmensteile hat sich bewährt.
Vor fünf Monaten war die Angst, dass der Ruf der Rummelsberger nach Bierleins Rücktritt leiden würde, allgegenwärtig. Doch zu einem befürchteten Spendeneinbruch sei es nicht gekommen. Ganz im Gegenteil: Andrea Heußner erinnert sich noch an zwei Spenden mit Jetzt-erst-recht-Charakter. Im Nachhinein habe sich bestätigt, «dass wir mit offenen Karten gespielt haben«.
Gleichzeitig begann die Suche nach einem Nachfolger für Bierlein. Gebraucht werde eine Persönlichkeit mit fundierten theologischen, aber auch wirtschaftlichen Kenntnissen - und mit «integrativen Fähigkeiten«, wie Brüdersenior Herrmann sagt.
Zwei mögliche Kandidaten wurden gefunden. Am 27. Mai fällt die Entscheidung, kündigen Herrmann und Heußner gegenüber der NZ an. Erstmals in der Geschichte der Rummelsberger wäre übrigens auch eine Frau, so sie denn ordinierte Pfarrerin der evangelischen Landeskirche ist, wählbar gewesen, weil seit einiger Zeit das Allgemeine Gleichstellungsgesetz gilt. Ins Amt eingeführt wird der Nachfolger Bierleins im Herbst.
Dem wird es obliegen, die Aufarbeitung der Geschehnisse um Bierlein zu begleiten. Ob es zu einem öffentlichen Prozess kommt, hängt vom Ergebnis der Ermittlungen ab.
Die betroffenen Diakone haben unterdessen ihre Vorwürfe gegen Bierlein in einem offenen Brief an die Rummelsberger Bruderschaft bekräftigt. Wieder ist darin von «Grenzüberschreitungen auf körperlicher und psychischer Ebene« von «unterschiedlicher Intensität« die Rede. Bierleins leitende Stellung habe diese Überschreitungen begünstigt.
«Wer Macht hat, kann diese Macht auch missbrauchen«, meint Andrea Heußner. Doch nach wie vor gelte für Bierlein die Unschuldsvermutung.
Stephan Sohr |
| 13.5.2008 |
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NÜRNBERGER ZEITUNG |
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