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Sorge um die Idylle im Ebrachtal

Kein Autohof in Mühlhausen!

 Kein Autohof in Mühlhausen!
Foto: Bürgerinitiative
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MÜHLHAUSEN - Viele werden Mühlhausen nur vom Vorbeifahren kennen. Von der A3 in Höhe der Ausfahrt Höchstadt-Nord sieht man die Marktgemeinde im Tal der reichen Ebrach liegen. Aber möglicherweise nicht mehr lange. Denn wie bereits an den meisten anderen Ausfahrten der A3 soll auch hier Gewerbe angesiedelt werden. Dann ist es vorbei mit dem Blick auf die Idylle am Rande des Steigerwaldes.
Von der Idylle ist drunten im Tal aber schon jetzt nicht mehr viel übrig. Die 1700 Einwohner zählende Gemeinde hat nämlich ausgerechnet im Jubiläumsjahr (Mühlhausen wurde erstmals 1008 urkundlich erwähnt) Ärger. Grund ist der Streit um besagtes Gewerbegebiet, für das etwa sieben Hektar Ackerland zur Verfügung gestellt werden sollen. Denn es verstellt nicht nur dem Autofahrer den Blick ins Tal. Es thront auch weithin sichtbar über Mühlhausen, ohne dass dessen Bürger oder der Gemeinderat Einfluss auf die Gestaltung hätten.
Der Gemeinderat möchte nämlich in wenigen Tagen die Planung und Realisierung in die Hände der Bayreuther Firma «Graf von Thun» übergeben, die schon mehrere solche Gewerbegebiete - meist handelt es sich um einen Mix aus Discounter, Drogeriemarkt und Baumarkt - in Franken errichtet hat. Dafür, dass sich die Gemeinde nicht einmischt, bezahlt «Graf von Thun» sämtliche Erschließungskosten. Ein wichtiges Kriterium für die Bürgervertreter, denn die Gemeinde ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Neidisch schauen sie in die reichen Nachbarorte, etwa nach Wachenroth mit seinem Bekleidungshaus Murk oder nach Gremsdorf mit der Firma IMO. Mit dem Gewerbegebiet, so die Hoffnung, könnte man da endlich nachziehen und der Bevölkerung - angesichts der hohen Spritpreise immer wichtiger werdende - Arbeitsplätze in Wohnortnähe bieten.
Doch ein großer Teil der Mühlhäuser glaubt nicht, dass das geplante Gewerbegebiet dazu einen Beitrag leistet. «Das ist ein Nullsummenspiel», sagte am Mittwoch CSU-Gemeinderat Hermann Gamperling bei einer Bürgerversammlung im brechend vollen Sportlerheim der SpVgg Mühlhausen. Die einzigen konkreten Nutzungen, die Architekt Manfred Beier bei der Versammlung nennen wollte, waren: einen Tankstelle und ein Großbäcker. Dummerweise gibt es aber in Mühlhausen schon eine Tankstelle, die dann wahrscheinlich dicht machen müssen, und auch von den drei Geschäften, in denen man derzeit noch frische Backwaren kaufen kann, dürften bestimmt nicht alle überleben.
Da der Investor um die Nutzung so ein Geheimnis macht, kursieren natürlich jede Menge Gerüchte. Die reichen von einem Eros-Center, einer Großdisko bis zur ersten deutschen Lkw-Raststätte des umstrittenen US-Unternehmens «Flying J». Zudem zeigen die Erfahrungen mit dem neuen A3-nahen Gewerbegebiet in Hessdorf, dass die Lkw-Fahrer die dort verfügbaren Parkplätze zum Übernachten benutzen und notfalls auch in angrenzende Ortschaften ausweichen.
Da trotzdem eine Mehrheit des Gemeinderates das Gelände dem Investor zur weitgehend freien Verfügung überlassen möchte, hat die neu gegründete Bürgerinitiative «Erhaltet das Ebrachtal» nun ein Bürgerbegehren gestartet. Ob es aber zu einen Bürgerentscheid kommt, hängt aber auch davon ab, wie sich jetzt der Gemeinderat verhält, insbesondere der neu gewählte CSU-Bürgermeister Klaus Faatz. Der Decheldorfer, der im März überraschend den langjährigen SPD-Bürgermeister und Gewerbegebietsbefürworter Reinhold Göring ablöste, hatte vor der Wahl Zweifel an dem Projekt geäußert. Bei der Bürgerversammlung argumentierte er jedoch für das Bauvorhaben. vip
4.7.2008 7:22 MEZ
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