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| Gröner verlor Kampfabstimmung |
Abruptes Ende einer langen Ära |
| Abruptes Ende einer langen Ära |
NÜRNBERG - Sekunden vor der Bekanntgabe des Ergebnisses kam Christa Naaß an den Platz von Lissy Gröner. Es war nicht notwendig, zu verstehen, was die Vorsitzende der mittelfränkischen SPD zu ihrer Genossin sagte, allein Naaß’ Miene verriet, dass die Nachricht keine gute war.
Die Bezirksvorsitzende war noch nicht wieder auf ihren Platz neben dem Podium zurückgekehrt, da wurde es auch schon offiziell verkündet: Lissy Gröner 40 Stimmen, Kerstin Westphal 45. So lapidar kann man eine Ära beenden.
Lissy Gröner (54), seit 1989 für die Sozialdemokraten im Europaparlament, Vizepräsidentin der Sozialistischen Internationale, Sprecherin der sozialdemokratischen Fraktion im EU-Parlament für Frauen- und Gleichstellungspolitik, eine international profilierte Politikerin, verlor am Samstag beim kleinen Parteitag der Bayern-SPD den Kampf um Platz zwei der bayerischen SPD-Liste für die Europawahl 2009.
Die Siegerin: Kerstin Westphal (45), Mitglied im Vorstand der SPD Schweinfurt und soeben aus dem Schweinfurter Stadtrat gewählt. Die gelernte Erzieherin war die Wunschkandidatin des bayerischen SPD-Vorstands um den Landesvorsitzenden Ludwig Stiegler.
Gut, dass Stiegler, der Nürnberger OB Ulrich Maly, der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Thomas Beyer und Günther Gloser, Staatsminister für Europa, ihre Plädoyers für ein soziales Europa der fairen Löhne schon vor der Kampfabstimmung gehalten hatten. Nach Gröners Niederlage interessierte sich niemand mehr für politische Visionen.
Die Frage, warum er Westphal auf Platz zwei gepusht habe, beantwortete Stiegler betont unaufgeregt. Das sei keine Kritik an Gröners Arbeit gewesen, und auch mit deren Ausrichtung auf Frauen- und Gleichstellungspolitik habe er «keine inhaltlichen Probleme«, erklärte Stiegler. Allerdings wolle man im Landesvorstand eine Europaabgeordnete «mit mehr Präsenz in Bayern«. Da habe Gröner «Defizite« gehabt.
Sabine Gilleßen sieht das anders. Die 40-Jährige arbeitet als Politikberaterin in Brüssel und ist seit 2005 mit Gröner verheiratet. Angesichts von 42 Sitzungswochen im europäischen Parlament und diversen Funktionen sei mehr Anwesenheit in Bayern einfach nicht drin. «Mehr Präsenz schaffen nur unbedeutende Abgeordnete«, sagt Gilleßen. Zu Gröners Demontage durch den Landesvorstand habe wohl eher ein Verhältnis der Europaabgeordneten mit Ludwig Stieglers Ex-Frau Barbara geführt.
Einen Gefallen getan hat sich die bayerische SPD mit der Wahl Westphals vermutlich nicht. Während dem mit 86 von 88 Stimmen wieder auf Platz eins gewählten Europaabgeordneten Wolfgang Kreissl-
Dörfler ein aussichtsreicher Platz auf der Bundesliste der SPD zur Europawahl sicher ist, könnte die unbekannte Schweinfurter Politikerin bundesweit auf einen Platz hinter den als sicher geltenden ersten 22 oder 23 Listenplätzen rutschen.
Die Bayern-SPD hätte dann nur noch einen Vertreter im Europaparlament.
Thomas Nagel |
| 27.7.2008 19:52 MEZ |
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