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| Der Dechsendorfer Weiher |
Den Erlangern stinkt es gewaltig |
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ERLANGEN - Es ist eine schier unendliche Geschichte: Seit über 30 Jahren ist der Dechsendorfer Weiher das Sorgenkind unter den bayerischen Badeseen. Ein glücklicher Ausgang ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Auch in diesem Jahr verhindern Blaualgen die Nutzung als Badesee - und der Weiher stinkt zum Himmel. Derzeit wird diskutiert, ob das Gewässer überhaupt noch für sportliche Aktivitäten genutzt werden kann oder nur noch als «ökologisch bedeutsames Gewässer«. So zitierten die Erlanger Nachrichten kürzlich Erlangens Oberbürgermeister Siegfried Balleis (CSU), der derzeit im Urlaub weilt.
Die SPD-Stadträtin Ursula Lanig wirft den Zuständigen vor, keine konsequente, nachhaltige Maßnahme ergriffen zu haben. Stattdessen habe man zig Methoden der Reihe nach ausprobiert: «Das war auf lange Sicht gesehen teurer, als wenn man es gleich vernünftig gemacht hätte«, erklärt Lanig. «Vernünftig« wäre ihrer Ansicht nach das Konzept gewesen, das 2001 vom damaligen bayerischen Umweltminister Schnappauf abgesegnet wurde. Zumal der Freistaat dafür einen Zuschuss über 40 Prozent zugesichert hatte: «Dieses Geld wurde bis heute nicht eingefordert«, klagt Ursula Lanig.
Der Dechsendorfer Weiher ist der einzige Badesee Bayerns, der nicht die EU-Wasserkriterien erfüllt. Alleinige Quelle ist die Kläranlage von Röttenbach und Hemhofen. Bis in die 1970er Jahre war das kein Problem: Der Weiher war zwar ein trüber, aber dennoch beliebter Badesee. In den 70ern weiteten sich die beiden Siedlungen jedoch so weit aus, dass das Ökosystem kippte.
Inzwischen ist der Phosphatwert
10 bis 15 Mal höher als maximal tolerabel wäre. Die Grenzwerte des Zuflusses richten sich nach den Bestimmungen für das Abwasser von Kläranlagen - und nicht nach den Anforderungen eines Fisch- und Badeweihers.
Die Bürgerinitiative «Rettet den Dechsendorfer Weiher« hat sich nun zu einer Petition an den Landtag entschlossen. Wolfgang Vogel, Mitglied des Landtags und des Petitionsausschusses, nahm das Schriftstück inklusive 1500 Unterschriften gestern am Weiher in Empfang. Der Andrang war groß: Sowohl Anwohner und Bürger aus dem Umland als auch betroffene Vereine - etwa Segler - zeigten Präsenz. Aus der Sicht vieler Bürger sei der Oberbürgermeister zu lange untätig geblieben, so Ursula Lanig.
Es ärgert Gerd Lohwasser, so etwas zu hören. Der Erlanger Bürgermeister und Sportreferent hängt selbst sehr am Dechsendorfer Weiher: «Früher waren wir nach der Bergkirchweih immer am ,Dechsi‘. Ich erinnere mich, wie schön das war.« Das Sportamt, das bisher für den Dechsendorfer Weiher zuständig war, habe alles versucht: Weil man dachte, der Weiher sei zu flach, wurde er ausgebaggert; weil man vermutete, der Schlamm sei Schuld, wurde der See entschlammt; um den Phosphatwert zu senken, wurde EisenIII-Chlorid zugegeben - jedoch ohne signifikanten Erfolg.
Der Grund für die Vielzahl an Maßnahmen sei keine Sprunghaftigkeit: «Niemand kann genau sagen, welche Methode tatsächlich etwas bringt.« Nicht einmal die vielen Fachleute, die das Sportamt zu Rate gezogen habe. Deshalb habe man auf eine dauerhafte, kostspielige Lösung verzichtet.
Ursula Lanig glaubt, dass nur eine Kombination verschiedener Maßnahmen den gewünschten Erfolg bringen kann: ein Schlammabsetzteich sei vonnöten, ebenso Schilfteiche - Schilf baut Phosphat ab. Eine Umlaufleitung soll überschüssiges Wasser am Teich vorbeileiten.
«Wenn mir einer garantieren könnte, dass eine Ringleitung wirklich was bringt, würden wir ernsthaft darüber sprechen«, versichert Gerd Lohwasser. Aber 40 Prozent Zuschüsse durch den Freistaat würden auch bedeuten, dass die Stadt 60 Prozent der teuren Leitung selbst aufbringen muss.
Das Sportamt ist mit seinem Latein am Ende und gibt die Zuständigkeit für den Weiher ans Umweltamt ab. Das heiße aber nicht, dass die Stadt den Weiher als Badesee abgeschrieben hat: «Der Grund dafür ist der, dass wir uns mit ökologischen Fragen nicht gut genug auskennen«, erklärt Gerd Lohwasser die Entscheidung. Er hofft immer noch, dass man bald wieder im Weiher schwimmen kann. Doch bis dahin wird es wohl dauern.
Stephanie Siebert |
| 15.8.2008 |
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