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3000 Schüler beteiligten sich gestern an einem Demonstrationszug durch die Innenstadt. Deutschlandweit traten Zehntausende in den «Ausstand». Mit ihren Protesten gegen das Bildungssystem entflammten die Demonstranten auch einen Streit über das Streikrecht von Schülern.
Nicht nur die Rhetorik erinnert an alte Zeiten. «Wenn uns das System keine Zukunft gibt, dann geben wir dem System keine Zukunft.» Wie auf einer 68er-Party mag sich gestern gefühlt haben, wer in den Demonstrationszug der - laut Polizei - 3000 Schüler verschiedener Nürnberger Schulen geraten ist. Den «Eventcharakter» des Schulstreiks wollte auch das Organisatorenteam nicht abstreiten. «Es ist nicht immer leicht, junge Menschen zu politischen Aktionen zu bewegen», erklärte ein Schülersprecher.
Auch deshalb begann die Demo um 11.30 Uhr, als die meisten Nürnberger Schüler eigentlich noch zwei Stunden Unterricht vor sich gehabt hätten. «Die Schulpflicht besteht», wollte das Bayerische Kultusministerium schon im Vorfeld wenig Verständnis für die streikenden Schüler aufkommen lassen. Schulbürgermeister Klemens Gsell hatte bei den Rektoren dennoch für Nachsicht geworben.
«Wer unentschuldigt fehlt, schwänzt», verkündete gestern Vormittag nichtsdestotrotz Wilfried Büttner, Schulleiter am Pirckheimer Gymnasium. Und auch an anderen Schulen haben die Streikbeteiligten wohl mit Strafen zu rechnen. Einige Lehrer, so berichten die Organisatoren, hätten sogar versucht, die Türen zu versperren, um die Jugendlichen am Verlassen der Schule zu hindern.
Das Schülerbündnis, das den Streik initiiert hat, kündigte an, gegen Sanktionen vorgehen zu wollen - und hat dafür bereits politische Rückendeckung bekommen. Die SPD-Landtagsfraktion stellte gestern einen Dringlichkeitsantrag, um Repressalien gegen die Schüler zu verhindern. Auch die Freien Wähler bekundeten ihre Unterstützung.
In München diskutierte der neue Kultusminister Ludwig Spaenle mit den Demonstranten. Man sei in vielen Punkten «einer Meinung», hieß es da. Die Schüler fordern von der Politik unter anderem mehr Mitspracherecht bei den Lehrplänen sowie die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems, des achtstufigen Gymnasiums und der Studiengebühren.
Vor allem das «G 8» sorge dafür, dass «Schule keinen Spaß mehr» mache, sagte einer der Organisatoren bei der Demo in Nürnberg. «Kein Wunder, dass so viele hier sind und nicht im Unterricht.» Angesichts des hohen Leistungsdrucks sprechen viele Schüler bereits von einer «Bildungsbulimie»: «Es geht nur darum, möglichst viel Stoff reinzustopfen - und ihn dann möglichst schnell wieder zu vergessen. Fürs Leben lernt so keiner.»
Christian Rothmund (Text) und Harald Sippel (Fotos)
13.11.2008
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