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Als die NZ im vergangenen April Zweifel an der rechtzeitigen Fertigstellung der 1812 neuen Studienplätze an der Georg-Simon-Hochschule bis 2011 hegte, wurde allseits noch beschwichtigt. Doch wenn nicht ein bauliches Wunder geschieht oder sich der politische Wille in München für eine pragmatische Lösung durchsetzt, dann stehen in drei Jahren für den doppelten Abiturjahrgang viel zu wenig Ingenieurstudienplätze in Nürnberg zur Verfügung. Wenn es eine europaweite Ausschreibung für das Projekt geben wird, dann kann frühestens 2010 mit den konkreten Planungen begonnen werden. Vor 2014 werden dann die von der Staatsregierung im März 2008 versprochenen Studienplätze nicht fertiggestellt sein.
Wenn überhaupt – denn wegen der Krise der Landesbank stehen weniger Gelder in den nächsten Jahren zur Verfügung. Zu befürchten ist, dass Nürnberg am Ende ohne die versprochenen Studienplätze dasteht oder mit einem Notprogramm abgefunden wird. Während in Altbayern, etwa in Ingolstadt oder Deggendorf, der Fachhochschulausbau geräuschlos klappt und die Standorte mit innovativen Studienangeboten glänzen können.
Wer hat Schuld? Wer sich in die Chronologie vertieft, bekommt den Eindruck, dass die Behörde Immobilien Freistaat Bayern (IMBY), die dem Finanzministerium unterstellt ist und die über die Neubauten organisatorisch mitentscheidet, ein selbstherrliches Eigenleben führt. Anders liegt natürlich der Fall, wenn der politische Wille im Wissenschaftsministerium oder in anderen Teilen der Staatsregierung vorhanden ist, dass etwas tatsächlich gebaut werden soll. Es ist ein Unding, dass die Nürnberger Fachhochschule erst Anfang August 2008 von der IMBY aufgefordert wurde, ein belastbares Raumprogramm zu präsentieren. Das Staatliche Bauamt, das bei der Beratung für das Ausschreibungsverfahren helfen soll, hat sogar erst Ende November den Auftrag von der IMBY erhalten. Insgesamt wurde über ein Jahr verplempert. Die IMBY dreht in Bezug auf Nürnberg eine Verwaltungsschleife nach der anderen. Mal wurde die europaweite Ausschreibung des Neubaus vergessen, obwohl dieser Sachverhalt schon längst bekannt
ist. Mal kann die für Nürnberg zuständige IMBY-Einheit diese Ausschreibung nicht machen und muss den Auftrag an die Münchner Zentrale weiterleiten. Alles kostet Zeit.
Die Fachhochschule in Deggendorf entscheidet derzeit über ihr europaweites Ausschreibungsverfahren, das ein Jahr gedauert hat. Morgen unterzeichnen sie beim Freistaat die dafür benötigten Verträge. Nürnberg ist von solchen konkreten Schritten weit entfernt. Es gilt das Prinzip Hoffnung. Die Zeche mit überfüllten Studieneinrichtungen wird der doppelte Abiturjahrgang aufgrund des achtjährigen Gymnasiums 2011 zahlen. Nürnberg wird ausgebremst, damit die Altbayern schneller bauen können. André Fischer
11.12.2008
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