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2009 begann für Fahrer mit Schock

Fünf Minuten auf dem U-Bahn-Gleis

 Fünf Minuten auf dem U-Bahn-Gleis
Ein 20-Jähriger, der im Alkoholrausch auf die U-Bahn-Gleise gefallen war und dort sitzen geblieben war,

ist am Neujahrsmorgen haarscharf am Tod vorbeigeschrammt. Zu verdanken hat er das dem schnellen Reaktionsvermögen eines U-Bahn-Fahrers.

Wie die Polizei und die VAG gestern berichteten, zeigten Videoaufnahmen des Vorfalls, dass der 20-Jährige gegen 6.15 Uhr am Neujahrsmorgen über den Bahnsteig des U-Bahnhofes «Maffeiplatz« getorkelt sei. Sichtlich angeschlagen – der Alkomattest ergab einen Wert von knapp zwei Promille – sei er mit mehreren Betonsäulen kollidiert und dann auf das Gleis gestürzt.

Dort blieb der junge Mann dann. «Etwa fünf Minuten hat er dort gesessen«, sagte VAG-Sprecherin Elisabeth Seitzinger der NZ. «Es war niemand in der Nähe, der ihn bemerken und ihm hätte heraushelfen können.«

Dem Umstand, dass der junge Mann im hinteren Drittel des Bahnsteiges saß, ist es mit zu verdanken, dass er noch lebt. Denn dadurch hatte der Fahrer einer herannahenden U-Bahn, mit Ziel Langwasser, die Möglichkeit, noch rechtzeitig zu bremsen. Der 20-Jährige hatte auch in anderer Hinsicht Glück, denn in unmittelbarer Nähe der Absturzstelle verläuft auch die Stromschiene.

Der 20-Jährige trug durch den Sturz eine Kopfplatzwunde davon, blieb ansonsten unverletzt. Der U-Bahn-Fahrer musste nach dem Vorfall abgelöst werden. Er stand unter Schock.

Der junge Mann musste nach der Bergung in einer Polizeizelle ausgenüchtert werden. Für ihn beginnt das Jahr 2009 unerfreulich: Gegen ihn wurde ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr eingeleitet.

Dass der Mann im Gleisbett ganze fünf Minuten unbemerkt blieb, hat mehrere Gründe. Zum einen sei kein anderer Reisender da gewesen, um einen Nothalt auszulösen, zum anderen ist eine konstante Videoüberwachung durch VAG-Personal unmöglich. «Es gibt immer jemanden, der den Monitor überwacht, auf dem wechselnd alle Nürnberger U-Bahnhöfe gezeigt werden«, erklärt Elisabeth Seitzinger. Es ist dem Zufall geschuldet, dass genau in diesen fünf Minuten, als der Mann auf dem Gleis saß, Bilder anderer Stationen gezeigt wurden. Nur wenn ein Nothalt durch einen Reisenden ausgelöst wird, erscheint der Bahnhof, von dem das Signal kommt, sofort auf dem Bildschirm – der Beamte kann reagieren.

Auf den Strecken der automatisierten U3 ist man nicht auf das Auslösen des Nothalts durch Menschen angewiesen, hier übernehmen Sensoren die Überwachung der Gleise. «Dadurch würde – wenn etwas ins Gleisbett fällt – in Sekundenbruchteilen ein Signal in der Leitstelle eingehen.« Die Züge würden dann gestoppt, eventuell die Stromschiene abgeschaltet und es käme jemand, erklärt Seitzinger. Wäre der Mann vor einen der automatischen U-Bahnzüge gefallen, wäre er dadurch wohl ebenso mit kleinen Blessuren davon gekommen. Da die Reaktionszeit, die Menschen haben, wegfällt, hätten die automatischen U-Bahn-Systeme noch schneller reagieren können.Claudia Urbasek
2.1.2009
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