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Nuernberger Zeitung aktuell Club, FCN, 1. FC Nürnberg, Alemannia Aachen, Isaac Boakyi, Raphael Schäfer, Michael Oenning, Marek Mintal, Marcel Risse, Mnari, Diekmeier, Maroh, Eigler nordbayern.de - Informationen und Nachrichten
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15.02.2009 19:54:00
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FCN musste mit 2:6 in Aachen herben Dämpfer hinnehmen

Sechs Nadelstiche ins Nürnberger Herz

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AACHEN - Noch acht Spiele, dann wird der altehrwürdige Aachener Tivoli endgültig Geschichte sein. Gleich nebenan errichtet die Alemannia eine moderne Arena, die dem Traditionsverein ab der kommenden Saison eine neue Heimat bieten soll. Bleiben wird den enthusiastischen Fans die Erinnerung an manch denkwürdiges Fußballmatch in einzigartiger Atmosphäre.

Auch das Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg am Sonntag dürfte wohl in die Annalen des Tivoli eingehen – sehr zum Leidwesen der Franken freilich, denn die 2:6 (1:4)-Klatsche bedeutete für den ambitionierten Bundesliga-Absteiger einen doch unerwartet deutlichen Dämpfer im Aufstiegsrennen.

Stürmer Christian Eigler brachte die 90 Minuten nicht ganz der Etikette entsprechend, aber perfekt auf den Punkt: «Es gibt so Tage, da läuft einfach alles scheiße.» Dieses Gefühl hatte das Team von Trainer Michael Oenning wohl schon nach 14 Minuten beschlichen. Lewis Holtby hieß der schwarz-gelbe Held, der Club-Keeper Raphael Schäfer mit zwei beherzten Distanzschüssen eiskalt erwischt hatte. Erst nahm der 18-jährige Wirbelwind nach weitem Pass von Benjamin Auer aus 18 Metern Maß und drosch den Ball ins linke Eck (10.), nur vier Minuten später versenkte der Jungspund mit seinem neongrünen Schuhwerk eine zu kurz abgewehrte Ecke flach im Tor.

«Kinderriegel» bekam schnell seine Grenzen aufgezeigt

Die bis dato mit nur 17 Gegentreffern als beste Abwehr der Liga angereiste Viererkette, in der erwartungsgemäß Pascal Bieler den Gelb-gesperrten Linksverteidiger Javier Pinola vertrat und damit das Durchschnittsalter auf 20,5 Jahren senkte, hatte nach gerade mal einer Viertelstunde ihre Grenzen deutlich aufgezeigt bekommen. Und der Aachener Sturmlauf ging munter weiter: Mit einem glänzenden Reflex verhinderte Schäfer gegen Szilard Nemeth weiteres Unheil (25.).

Kurz keimte bei den 2000 mitgereisten Club-Fans Hoffnung auf, als Isaac Boakye eine schöne Flanke von Eigler zum 1:2 einnickte (29.), doch stellte die Alemannia noch vor der Pause mit einem Doppelschlag die Weichen endgültig auf Sieg. Erst durfte Mirko Casper einen Freistoß des überragenden Holtby weitgehend unbedrängt zum 3:1 einköpfen (41.), dann überwand Auer nach Doppelpass mit Nemeth Schäfer per platziertem Flachschuss gar zum 4:1 (45.). Als Schiedsrichter Babak Rafati (Hannover) zur Halbzeit pfiff, tobte der Tivoli. Die Gäste hingegen schlichen nach dieser derben Demontage gesenkten Hauptes in die Kabine, und es war klar, dass es für die völlig überforderten Franken in den folgenden 45 Minuten nur noch um Schadensbegrenzung gehen konnte.

Doch auch das sollte nicht gelingen, weil die Alemannen ihren Torhunger längst nicht gestillt hatten. Zwar leuchtete in der 55. Minute etwas voreilig das 5:1 auf der Anzeigetafel auf, als ein Schuss von Holtby knapp am Tor vorbeigestrichen war, doch schon drei Minuten später war dieses Resultat Realität: Nach einer Ecke wehrte Schäfer einen Auer-Kopfball noch spektakulär ab, dann aber ließen ihn seine Vorderleute einmal mehr im Stich. Nemeth staubte ab und hämmerte den Ball aus spitzem Winkel humorlos unter die Latte.

Der verspielte, aber zumindest effektive Boakye sorgte noch einmal für ein bisschen Ergebniskosmetik, als er einen Eckball des eingewechselten Daniel Gygax zum 2:5 einköpfte (67.), der Schlusspunkt aber blieb den wie im Rausch aufspielenden Domstädtern vorbehalten: Weil Gygax und Reinartz nach einer Ecke den Ball nicht aus der Gefahrenzone brachten, konnte Cristian Fiel locker einschießen – es war an diesem Nachmittag das vierte Nürnberger Gegentor nach einer Standardsituation.

Routiniers ließen Jungspunde im Stich

2:6 – eine solche Klatsche hatte der Club zuletzt am 15. Oktober 2005 bei Werder Bremen kassiert. Nürnbergs Defensivtalente haben in Aachen so viel Lehrgeld bezahlt, dass man schon eine handfeste Finanzkrise attestieren könnte. Nachdenklich stimmt allerdings noch mehr, dass auch Routiniers wie Marek Mintal, Jawhar Mnari oder Peer Kluge ihren überforderten, von der hitzigen Atmosphäre sichtlich beeindruckten Kollegen zu keiner Phase Halt zu geben vermochten.

Jetzt den Stab über die Mannschaft zu brechen, wäre freilich verfrüht: Das Debakel vom Sonntag tat weh und mag auf manche Anhänger auch ernüchternd wirken. Doch erst die nächsten Spiele werden zeigen, ob es sich um einen einmaligen Ausrutscher gehandelt hat oder die wieder auf Platz sieben abgerutschten Franken vielleicht doch noch nicht reif sind für höhere Ziele. Ein weiterer Trip zum Tivoli bleibt dem Club zumindest auf jeden Fall erspart.

Aachen: Stuckmann – Casper, Vukovic, Olajengbesi, Achenbach – Fiel (77. Brinkmann) - Seitz (71. Müller), Lehmann, Holtby – Nemeth, Auer (84. Oussale) / Nürnberg: Schäfer – Diekmeier (59. Judt), Maroh, Reinartz, Bieler – Mnari – Kluge, Mintal (69. Risse), Frantz (59. Gygax) – Eigler, Boakye / SR: Rafati (Hannover) / Tore: 1:0, 2:0 Holtby (10., 14.), 2:1 Boakye (29.), 3:1 Casper (42.), 4:1 Auer (45.), 5:1 Nemeth (58.), 5:2 Bokaye (67.),6:2 Fiel (73.) / Zuschauer: 20155 / Gelbe Karten: Holtby – Bieler, Frantz.

Uli Digmayer
15.2.2009 19:54 MEZ
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