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Erich Mulzer, Vorsitzender der Altstadtfreunde, tritt nicht mehr zur Wahl an. Bei der Hauptversammlung des Vereins, am 25. Mai, soll Inge Lauterbach zu seiner Nachfolgerin gewählt werden.
Wer mit 75 Jahren nicht aufhört, handelt verantwortungslos, sagte gestern Mulzer, der 30 Jahre lang den Verein führte. Lauterbach habe in den vergangenen Jahren schon sehr viel Arbeit im Vorstand der Altstadtfreunde übernommen. Mit ihr ist ein hohes Maß an Kontinuität im Verein gewahrt, so Mulzer. Er will sich künftig ganz aus der Vorstandsarbeit heraushalten und nicht hineinreden. Nur noch für Sonderaufgaben und für den Beirat steht Mulzer zur Verfügung. Ein neuer Vorstand muss die Freiheit haben, neue Akzente zu setzen und eigene Vorstellungen einzubringen, sagt Mulzer. Karl-Heinz Enderle, so die weitere Planung, wird in den Gesamtvorstand, nachrücken, wenn die Mitglieder zustimmen.
Mit dem Abgang Mulzers, der sich schon vor zwei Jahren entschieden hat, nicht noch mal für eine Amtszeit als Vorsitzender zur Verfügung zu stehen, geht eine Epoche zu Ende. Er selbst schätzt sich als einen harten Macher ein. Unter Mulzers Regie haben die Vereinsmitglieder mit viel Engagement, Idealismus und Spendenfreudigkeit zahlreiche historische Häuser vor dem Abriss gerettet. Ohne ihren Einsatz wäre das Nürnberger Stadtbild ärmer: Ensembles in der Pfeifergasse, Winklerstraße, Schlehengasse, Mostgasse, Obere Krämersgasse, Weißgerbergasse und am Unschlittplatz sowie die Scheune in der Zirkelschmiedsgasse würde es ohne die Altstadtfreunde nicht mehr geben.
Mit viel Liebe zum Detail wurden die meist stark beschädigten Häuser wieder hergerichtet und einer neuen Nutzung zugeführt. Hinzu kommen viele kleinere Aktivitäten wie die An-bringung von Chörlein oder Schildern, mit denen die historische Seite des Stadtbilds gepflegt wurde. Großprojekte in der Irrerstraße 1, der Weißgerbergasse 10 und der Kühnertsgasse wurden in jüngster Zeit begonnen. Das Interesse Mulzers galt immer dem bürgerlichen Nürnberg, dessen Erhalt lange Zeit vernachlässigt wurde, und nicht so sehr den großen Denkmälern oder den bekannten Bauten.
Nachdem vor etwas über 30 Jahren die letzte Zeile der aus dem Mittelalter stammenden und nur teilweise den Krieg heil überstandenen Sieben Zeilen sang- und klanglos abgerissen wurde und es keinen Widerstand dagegen gab, ließ sich Mulzer zum Vorsitzenden der Altstadtfreunde wählen, ein Verein, für dessen Hauptversammlung 1974 zwei Wirtshaustische reichten. Unter dem Vorsitz Mulzers wuchs der Verein auf 5900 Mitglieder. Die Altstadtfreunde verhinderten den Bau des Augustinerhofs und werden inzwischen als wichtige Stimme bei der Fortentwicklung der Innenstadt ge-hört und ernst genommen. Sie verfügen über eine Geschäftsstelle, eine Bibliothek und geben die Altstadtberichte heraus, alles ehrenamtlich betreut.
Die 65-jährige Inge Lauterbach möchte, wenn sie von den Vereinsmitgliedern gewählt wird, erst einmal dafür sorgen, dass der Verein so gut weiterläuft wie bisher. Auch müssten die drei begonnenen Großprojekte gut zu Ende gebracht werden, bevor man daran denken könne, neue Akzente zu setzen. André Fischer |